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Heute fand im Parkhotel Laurin die jährliche Vollversammlung der Ingenieurkammer der Autonomen Provinz Bozen statt. Die Ingenieurkammer wartete heuer mit einer Neuheit auf: So wurden erstmals Preise für die beste Dissertation 2007 im Bereich der erneuerbaren Energie verliehen. Nachdem der Präsident der Ingenieurkammer Hansjörg Letzner sowie die Vorstandsmitglieder und der Kammerrat über das vergangene Jahr Bericht erstatteten, fand die Vorstellung der Geotechnische Kommission und der Anlagenkommissionen statt. Dann - nach Genehmigung der Bilanz 2007 und des Haushaltsvoranschlags - wurde an folgende langjährige Senatoren Diplome verliehen: Giovanni Cicala aus Meran, Luciano Leverato und Giuseppe Parella aus Bozen sowie Franco Valdemarin aus Brixen haben vor genau 50 Jahren das Doktorat als Ingenieur erworben. Vor dem internen Teil der Vollversammlung, welcher der Weiterbildung diente, wurden die Sieger des 1. Internationalen Wettbewerbs um den Preis herausragender Dissertationen im Ingenieurwesen verliehen.

„Die Aus- und Weiterbildung ist im Ingenieurwesen ein wichtiger Schwerpunkt. Außerdem leben wir in einer Zeit, wo es für junge Ingenieure immer schwieriger wird sich zu profilieren. Wir haben diesen Wettbewerb ausgeschrieben, um die Arbeit von jungen Talenten sichtbar zu machen und um sie mit einem kleinen finanziellen Beitrag zu unterstützen. Nicht zuletzt soll der Wettbewerb aber auch auf die Wichtigkeit unserer Berufsgruppe als Ideenbringer für gesellschaftsrelevante Themen aufmerksam machen,“ sagt Hansjörg Letzner, Präsident der Ingenieurkammer Bozen. Bei dieser ersten Wettbewerbsausschreibung, die dem Thema erneuerbare Energie gewidmet war, wurden 17 Arbeiten aus dem internationalen Umfeld eingereicht. Den ersten Preis erhielt der Schweizer Gaudenz Koeppel, dem ein Preisgeld von € 5.000 überreicht wurde. Den 2. Preis mit einem Preisgeld von € 2.500 erhielt Eugenio Morello, der in Mailand lebt, jedoch in Bozen geboren ist und in Bruneck seine zweite Heimat hat. Und den 3. Preis (€ 2.000) konnte Natale D’Armetta aus Palermo entgegen nehmen.

1. Preis: Kombinierte Energieversorgungssysteme
Gaudenz Koeppel, der an der Universität ETH am Institut für Elektrische Energieüberwachung in Zürich studierte, hat mit seiner Diplomarbeit vor allem durch den innovativen Ansatz und dessen Zukunftsorientiertheit überzeugt. In seinem Forschungsprojekt untersuchte Koeppel verschiedene Aspekte von so genannten multi-carrier Energiesystemen: Bereits heute lässt sich in der Energieversorgung eine zunehmende gegenseitige Beeinflussung verschiedener Energieträger beobachten, insbesondere bei elektrischer, chemischer (z.B. Erdgas) und thermischer Energie. Dadurch entstehen Redundanzeffekte, welche die Versorgungszuverlässigkeit beeinflussen. Im ersten Teil der Dissertation werden Modelle entwickelt, mit denen diese Einflüsse simuliert, berechnet und bewertet werden können. Der zweite Teil befasst sich mit der Zuverlässigkeit der Netzeinspeisung aus nicht-steuerbaren Energieerzeugern (z.B. Windturbinen, Photovoltaikanlagen). Es wird gezeigt, dass die Zuverlässigkeit der Einspeiseprognose deutlich verbessert werden kann, wenn ein solcher Energieerzeuger in Kombination mit einem lokal installierten Energiespeicher betrieben wird. Dementsprechend ergibt sich auch eine Wertsteigerung der erzeugten Energie.


Solarenergie im Lichte des Städtedesigns & effiziente Windenergieproduktion
Der 2. Preis ging an den gebürtigen Bozner Eugenio Morello, der am „Politechnico di Milano“ sein Studium absolvierte. In seiner Doktorarbeit beleuchtete er die Herausforderung die Städteurbanistik so zu gestalten, dass die verschiedenen natürlichen Einflüsse wie Sonne und Wind optimal integriert bzw. genutzt werden. Natale D’Armetta aus Palermo, der den 3. Preis entgegen nehmen konnte, schrieb hingegen über die Nutzung von Windenergie. Hier ging es vor allem um die Nutzung von Turbinen kleiner Größenordnung und um eine technische Analyse der verschiedenen Energieleistungen verschiedener Turbinen am Beispiel einiger Ortschaften in Sizilien. Ein Thema das zunehmend auch in Südtirol relevant wird. Eine weitere interessante Arbeit, die zwar keinen Preis erhielt, jedoch Anerkennung gefunden hat, ist die Arbeit von Ing. Philip Kleewein. Er hat sich in seiner Arbeit mit der Nutzung der geothermischen Energie - also aus dem Boden stammende Energie - im Brennerbasistunnel befasst. „Bei all diesen Arbeiten sieht man das willkommene Bestreben der jungen Fachexperten neue, innovative Formen von Energie ausfindig zu machen, diese zu analysieren, zu kombinieren und effizient zu nutzen. Dieses Bestreben wird in Zukunft immer wichtiger und diese Ideen gilt es zu fördern. Denn am Anfang eines jeden konkreten Projekts stand immer zuerst eine Idee,“ so Letzner bei der Laudatio.

Wettbewerb zur Stärkung der Berufsgruppe
Die Ingenieurkammer der Provinz Bozen setzt jährlich einen Preis aus für Diplomarbeiten, Fachdissertationen und Doktorarbeiten mit Bezug zum Ingenieurwesen, um die vielfältigen Aspekte dieses Berufes und seiner technischen Kultur zu belegen und zu verbreiten und ihre Bekanntheit zu fördern. Um die Bedeutung der Rolle des Ingenieurs in der Zivilgesellschaft zu unterstreichen werden alljährlich Themen aus dem Bereich Ingenieurwesen ausgewählt, die geeignet sind, die Bedürfnisse und Erwartungen der Bevölkerung zu erfüllen. Am Wettbewerb können alle an italienischen oder ausländischen Universitäten inskribierten Personen teilnehmen, die im Vorjahr eine Diplomarbeit, Dissertation oder Doktorarbeit verfasst haben, welche Themen behandelt wie Nachhaltigkeit, alternative Energien und Energieeinsparung. Bei der Auswahl der besten Dissertationen wird vor allem Augenmerk auf die Auswirkungen der Anwendung der erzielten Ergebnisse, die wissenschaftliche Bedeutung und allfällige Publikationen, den Innovationsgrad der erzielten Ergebnisse sowie der Klarheit der Darstellung Wert gelegt. Die Beurteilungskommission, die von der Ingenieurkammer der Provinz Bozen ernannt wurde, besteht aus: Hansjörg Letzner, Präsident der Ingenieurkammer Bozen, Giulielmo Concer, Vorstandsmitglied der Ingenieurkammer Bozen, Giorgio Rossi, Schatzmeister der Ingenieurkammer Bozen sowie Prof. Paolo Baggio, Professor an der Universität Trient, Erwin Mumelter, Fachmann auf diesem Sektor, und Ing. Georg Pichler vom Amt für Energie.

Im Bild v.l.n.r.: Hansjörg Letzner (Präsident der Ingenieurkammer Bozen), Natale D’Armetta (Gewinner 3. Preis), Gaudenz Koeppel (Gewinner 1. Preis) und Eugenio Morello (Gewinner 2. Preis)