Genau vor 3 Jahren hat eine Gruppe zukunftsorientierter Unternehmer das Projekt der Wasserkraftanlage „Eisackwerk“ der Öffentlichkeit vorgestellt und vor 3,5 Jahren bei den zuständigen Behörden eingereicht. Bis dato wurde noch keine Entscheidung getroffen. Nun rufen die Vertreter der Eisackwerk GmbH die zuständigen Behörden auf, dringend eine Entscheidung zu fällen.
Da die Konzession Ende 2010 – also in 1,5 Jahren – verfällt, ist hier unbedingt Handlungsbedarf gefordert. Denn mit jedem Tag verstreicht wertvolle Zeit, in der man schon mit dem Bau des Wasserkraftwerkes beginnen hätte können. Das Projekt Eisackwerk zeichnet sich besonders durch folgende drei Vorteile aus: Es bringt ein Mehr an Energie, ein Mehr an Umwelt- und Zivilschutz. Drei Argumente, welche der Verpflichtung gegenüber zukünftigen Generationen in Südtirol Rechnung tragen. Nicht zuletzt deshalb, weil eine Entscheidung für dieses Wasserkraftwerk finanzielle und wirtschaftliche Unabhängigkeit für viele unserer Nachkommen bedeutet. Nähere Informationen finden Interessierte unter www.eisackwerk.it.
Bürger über Energieversorgung informieren
Die Vertreter der Eisackwerk GmbH möchten der Bevölkerung und den Entscheidungs-trägern den aktuellen Stand der Dinge im Rahmen einer Bürgerversammlung darlegen. Und sie möchten über wichtige gesetzliche Neuerungen in Bezug auf die Privatisierung der Stromproduktion, das Anrecht von Gratisstrom für öffentliche Einrichtungen usw. informieren. Die Bürger-Informationsveranstaltung findet am Donnerstag, 4. Juni 2009 um 19.30 Uhr im Forum Brixen, in der Romstr. 9 in Brixen statt. „Es ist 5 nach 12. Wir finden es unbedingt notwendig darauf hinzuweisen, dass eine Entscheidung mehr als überfällig ist. Und wir möchten die Menschen des Eisack- und des Wipptals darüber informieren, wie wichtig eine unabhängige Stromversorgung für Südtirol ist“, so Christoph Fuchsbrugger, Geschäftsführer der Eisackwerk GmbH. „Wird das Eisackwerk nicht in die Realität umgesetzt, so werden eine Vielzahl kleiner Werke am Eisack errichtet bzw. vergrößert. So plant z.B. die Stein an Stein GmbH, welche von einer Wiener Gesellschaft kontrolliert wird, bei Mittewald den umfangreichen Ausbau eines Werkes. Des Weiteren sind Staffler Karl in Freienfeld, Plunger Luis in Franzensfeste und die Sachsenklemme AG im Begriffe ihre Werke auszubauen - um nur einige zu nennen. Auch wird über ein weiteres Wasserkraftwerk unmittelbar vor dem Stausee laut nachgedacht. Wir sind überzeugt, dass es im Hinblick auf die Energieausbeute und den Eingriff in die Umwelt auf jeden Fall besser ist, ein einziges Kraftwerk zu errichten als viele kleine Werke auszubauen oder neu zu errichten“, so Fuchsbrugger.
Stromproduktion muss lt. Gesetz 2009 privatisiert werden
Bei der Bürger-Informationsveranstaltung möchte man über wichtige gesetzliche Neuerungen informieren. So sieht z.B. das Finanzgesetz 2008 vor, dass die öffentliche Verwaltung und Gesellschaften mit öffentlicher Beteiligung nicht mehr in der Produktion von Gütern tätig sein dürfen. Deshalb muss auch die Stromproduktion innerhalb Juni 2009 mit einer öffentlichen Ausschreibung an nicht öffentliche Körperschaften veräußert werden. Mit Urteil Nr. 148/2009 vom 4. Mai 2009 des Verfassungsgerichtshofes wurde die Rechtmäßigkeit dieser Bestimmung in vollem Umfang bestätigt. Auch haben öffentliche Einrichtungen, wie Gemeinden, Krankenhäuser, Schulen usw. Anrecht auf Gratisstrom – ein Vorteil, den viele nicht kennen und nutzen.
Aktuellster Stand der Dinge
In der Zwischenzeit wurde das Projekt Wasserkraftanlage Eisackwerk, das von einem der europaweit führenden Ingenieurbüros im Bereich Wasserkraft, der Bernhard Gruppe, ausgearbeitet wurde, weiter verfeinert und ergänzt. So wurde die Umweltverträglich-keitsstudie und ein technisches Gutachten erstellt. Letzteres wurde bei zwei der anerkanntesten Experten auf diesem Gebiet in Europa in Auftrag gegeben: Ing. Francesco Veronese ist Professor an der Fakultät für Hydraulik und Wasserkraft an der Technischen Universität Padua. Als zweiter Experte wurde Dr. Ing. Franco Garzon hinzugezogen, der bei hunderten ähnlicher Projekte mitgearbeitet hat. Die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsstudie und des Gutachtens wurden nun in das Projekt eingearbeitet. In diesem Zusammenhang wurde auf die Ableitung des Flagger- und Berglerbaches zur Gänze verzichtet.
Mehr Energie
Allein mit der Mehrproduktion, welche durch das Eisackwerk erreicht wird, können gut die Hälfte der Südtiroler Haushalte mit sauberer Energie versorgt werden. Hier ein Vergleich: Würde man diese Mehrproduktion mit Schweröl erzeugen, so würde es pro Jahr eine Kolonne an Lkw mit Schweröl vom Brenner bis nach Bologna benötigen. Das Projekt Eisackwerk zeichnet sich durch eine effiziente Nutzung der Energie (2,5-mal mehr Energie als heute), große Umweltverträglichkeit (ökologische Aufwertung des Gebietes) und eine vollständige Vermeidung von Emissionen in Bezug auf andere Arten der Energieerzeugung aus. Das Einzugsgebiet des Wasserkraftwerkes umfasst 576 km. Die mittlere Jahresarbeit bzw. Produktion beträgt 345 Mio. Kilowattstunden.
Mehr Zivilschutz für Brixen
Mit dem Bau des Eisackwerkes würde der Stausee bei Franzensfeste nicht mehr zur Energiegewinnung gebraucht. Mit einem verhältnismäßig geringen Kostenaufwand (ca. 6 Mio. Euro) kann der Stausee als Auffangbecken einen wesentlichen Beitrag für den Hochwasserschutz für Brixen leisten. Laut dem Hydrologischen Amt des Landes beträgt die Wasserführung des Eisacks bei einem hundertjährigen Hochwasser 385 m3/sec. Schon bei dieser Menge sind die Dämme bei Brixen überlastet. Wird der Stausee für den Hochwasserschutz entsprechend umgebaut, dann kann er mit seinem Fassungsvermögen von 3,6 Mio. m3 rund 100 m3 Wasser pro Sekunde über einen Zeitraum von 10 Stunden oder aber 50 m3 Wasser pro Sekunde für 20 Stunden zurückhalten. Dies stellt einen effektiven und im Vergleich zu den Alternativen kostengünstigen Hochwasserschutz für Brixen dar, der jedoch nur durch den Bau des Eisackwerkes ermöglicht wird.
Umwelt bleibt nahezu unberührt
Das Wasserkraftwerk Eisackwerk sieht die Wasserfassung südlich von Mauls und die Wasserrückgabe bei Feldthurns vor. Eine vollständig unterirdische Bauweise gewährleistet, dass nach der Bauphase nur mehr die Wasserfassung bei Mauls sichtbar bleibt. Schwerpunkt des Projekts ist ein unterirdischer Stollen (22,4 km), der südlich von Mauls bis zur Villnösser Kreuzung verläuft. Das Eisackwerkprojekt ist absolut umweltkompatibel. Die Kavernenbauweise und die Umwidmung des Stauseeareals in Franzensfeste zu einer Freizeit- und Erholungszone wird eine bedeutende Aufwertung des Wipptals in jeder Hinsicht bedeuten. Der Eisack und das Landschaftsbild werden zwischen Mauls und Feldthurns bedeutend verbessert. Das Wipptal als Lebensraum wird somit aufgewertet. Die heutige Restwassermenge im Eisack wird auf nahezu 1/3 der Ableitungsstrecke um das 6-fache erhöht, was eine Verbesserung des Lebensraums für Tiere und Pflanzen bedeutet. Die bis dato intakte Naturlandschaft um den Flusslauf und die naturgeschützten Mäander südlich von Sterzing bleiben unberührt. Der natürliche Flusslauf gewährleistet eine ausreichende Bewässerung der Böden, was wiederum eine Verbesserung der Bedingungen für die Forst-, Land- und Fischereiwirtschaft bedeutet. Die Umweltbilanz des Projektes ist mehr als positiv, da rund 15 km Flussabschnitt wesentlich verbessert werden und lediglich 13 km eine ev. Beeinträchtigung erfahren könnten. Auf jeden Fall wird auf diesen 13 km zwischen Mauls und Franzensfeste die Restwassermenge immer noch doppelt so hoch wie dies im amtlichen Entwurf des Wassernutzungsplans vorgeschrieben ist. Der Eisack wird somit insgesamt mehr Restwasser als bis dato haben. Die Wasserqualität wird überall beibehalten. Schwallbetrieb und Stauseespülungen im Eisack, welche Flora und Fauna im und am Flusslauf stark belasten, gehören der Vergangenheit an. Besonders der Flussabschnitt unterhalb der Staumauer von Franzensfeste bis zur Einmündung der Rienz wird durch das neue Kraftwerk ökologisch enorm aufgewertet. Die CO2-Emissionen werden um ca. 210.000 Tonnen pro Jahr reduziert.
Im Bild v.l.n.r.: Dr. Karl Pichler (Eisackwerk GmbH), Christoph Fuchsbrugger (Geschäftsführer Eisackwerk GmbH), Dr. Kurt Kusstatscher (Biologe Trifolium)