Im Four Points by Sheraton Bozen fand heute die jährliche Vollversammlung der Ingenieurkammer der Provinz Bozen statt. Die Veranstaltung, richtete sich an alle im Berufsverzeichnis eingetragenen Mitglieder der Ingenieurkammer. Zunächst ging es um die institutionellen Anliegen der Kammer, wie die Genehmigung der Abschlussbilanz 2006 und des Haushaltsvoranschlags 2007. Die Vollversammlung diente aber auch der Absprache von Problemen mit denen sich Ingenieure in Ihrem Beruf konfrontiert sehen. „Das Thema Liberalisierung ist für uns von großer Bedeutung. Die einseitige Auslegung jedoch, welche die Politik zu einem durchaus positiven Gedanken hat, teilen wir nicht. Denn sie geht rein zuungunsten des Freiberuflers“, sagte Hansjörg Letzner, Präsident der Ingenieurkammer. „Ein weiteres wichtiges Thema ist die Aus- und Weiterbildung. Wir werden deshalb Studienstipendien für Doktor- und Diplomarbeiten bereitstellen, die sich mit Themen befassen, welche für unser Land von Interesse sind. Weiters veranstalten wir eine Seminarreihe, die wir heute mit der Einführung in die Gefahrenzonenplanung eingeleitet haben“, so Letzner weiter. In Zukunft soll alle zwei Monate eine Veranstaltung zu speziellen Themen, mit denen Ingenieure in ihrem Beruf konfrontiert werden, stattfinden. Im Mai wird man sich dem Thema Tunnelausbau widmen. Diese Seminare sollen die Ingenieure über die neuesten Entwicklungen in ihrem Beruf informieren und die Bevölkerung über die Ingenieurstätigkeiten aufklären.
Stava 1985, eine Katastrophe mahnt zu besonderer Sorgfalt
Die Vortragsreihe über die Gefahrenzonenplanung wurde von Graziano Lucchi, Präsident der Stiftung Stava 1985 Onlus, eröffnet. Er gab eine Übersicht über die fehlende Risikobewertung beim Bau und bei der Führung der Schlammklärbecken des Bergwerks Prestavel. Die zwei Becken waren am 19. Juli 1985 eingestürzt. Eine Lawine aus 180.000 m³ Schlamm und Wasser raste danach über eine Fläche von 435.000 m² und kostete 268 Menschen das Leben. Die Ursache des Einsturzes wurde in der chronischen Instabilität der Deponien und insbesondere des oberen Beckens ermittelt. Es wurde festgestellt, dass die Deponien die Mindestsicherheitskoeffizienten zur Verhinderung eines Einsturzes nicht erfüllten. Zusätzlich zu diesem Vortrag gab es eine Fotoausstellung über das Unglück. Dadurch konnten sich die Teilnehmer ein genaues Bild über das gesamte Ausmaß der Katastrophe machen.
Vereinfachung der Planung von Gefahrenzonen
Damit heute derartige Katastrophen verhindert werden können, gibt es verschiedene Richtlinien für Gefahrenzonenpläne (GZP) nach nationalen und europäischen Vorgaben. Markus Sperling von der Abteilung Wasserschutzbau der Provinz Bozen führte in die Thematik GZP/KSR (Klassifizierung des spezifischen Risikos) Richtlinien ein. Im Anschluss daran hielt Hanspeter Staffler, Amtsdirektor vom Amt für Wildbach und Lawinenverbauung Süd der Provinz Bozen, einen Vortrag über die Vorgehensweise bei der Erstellung eines Gefahrenzonenplans. Im Zentrum dieses Vortrags stand ein von der Abteilung Wasserschutzbauten erarbeitetes Merkblatt. „Das Merkblatt ist keine reine Verfahrensbeschreibung. Es enthält neben einem methodischen Teil vor allem die von der Abteilung Wasserschutzbauten gesammelten Daten. Diese sind dem jeweiligen Thema entsprechend aufbereitet, z.B. für Wasserschutzbauwerke, Lawinenverbauung usw.“, erklärte Staffler. Zu den Daten gehören Berichte über historische Ereignisse der letzten Jahre, Abflussdaten von Bächen und Flüssen und Gefahrenhinweiskarten, die auf bestehende Gefahren und ihr Schadenspotential aufmerksam machen. „Das Merkblatt“, so Staffler, „wird erst dann an die Gemeinden ausgegeben, wenn sie sich für die Ausarbeitung eines Gefahrenzonenplans entschieden haben. Diese geben die von der Landesverwaltung bereitgestellten Daten an den von ihnen beauftragten Experten weiter. Ziel des Merkblatts ist es, die Gefahrenzonenplanung für Gemeinden und beauftragte Freiberufler zu vereinfachen. Außerdem soll es die Handlungsweise bei der Ausarbeitung von Gefahrenzonenplänen an verschiedenen Standorten vereinheitlichen und sie vergleichbar machen.“
Bild 1 v.r.n.l.:
Hansjörg Letzner (Präsident der Ingenieurkammer Bozen) und Gerardo Rossi, der zum 50 jährigen Jubiläum seines Doktorats zum Senator der Ingenieurkammer ernannt wurde.
Bild 2:
Hanspeter Staffler