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Zukunft seltener Apfel- und Birnensorten liegt in ihrer speziellen Verwendung

Die 7. Ausstellung Sortenvielfalt in Lana war auch heuer wieder mit etwa 600 Besuchern ein großer Erfolg. Die Besucher bestaunten und kosteten im Obstbaumuseum seltene, traditionsreiche Apfel- und Birnensorten. Ziel der Ausstellung war die Beratung rund um seltene Sorten sowie eine Bestandsaufnahme noch unbekannter Arten. „Südtirol ist einzigartig in seiner Vielfalt an Äpfeln und Birnen und es ist sehr wichtig, diese vor dem Aussterben gefährdeten Sorten zu schützen und zu dokumentieren. Die Zukunft der seltenen Sorten liegt nämlich in ihrer speziellen Verwendung, die durch die Fülle an Geschmacksnoten sehr vielfältig ist. So eignet sich beispielsweise der Apfel „Champagner“ besonders für Sorbets und der „Tiroler Spitzlederer“ für die Zubereitung von Apfelkiachl,“ so Frowin Oberrauch, Mitarbeiter des Vereins Sorten Garten Südtirol und Organisator der Sortenausstellung. Bei der Veranstaltung, welche vom Südtiroler Apfelkonsortium und der Handelskammer Bozen unterstützt wird, gab es auch eine Verkostung von Apfel-Käse-Kombinationen. Dabei konnten die Besucher unter Berücksichtigung des besonderen Geschmacks und der Konsistenz des Apfelfruchtfleisches die besten Kombinationen herausfinden. Eine Verkostung von reinsortigen Feinbränden rundete die Sonderausstellung ab. Der Ausstellung folgt am Freitag, 17. November ein besonderer kulinarischer Abend auf der Fahlburg in Prissian mit feinsten Gerichten aus historischem Obst und Gemüse.

Tradition führte zu Erfolg
„Die Vielfalt an alten Sorten zeigt einmal mehr, wie verankert die Tradition des Obstbaus in Südtirol ist. Schon im Mittelalter wurden in Südtirol Äpfel und Birnen angebaut und bald florierte der Handel unter anderem nach Wien und St. Petersburg. Und genau diese traditionsreiche Entwicklung war auch mit ein Grund, warum elf unserer Apfelsorten heute die Qualitätsbezeichnung „Südtiroler Apfel g.g.A.“ (d.h. geschützte geografische Angabe) tragen dürfen. Sozusagen sehen wir es geradezu als Verpflichtung den Schutz alter Sorten zu unterstützten,“ so Matthias Josef Gamper, Obmann des Südtiroler Apfelkonsortiums.

Vom „roten Blutapfel“ bis zur „Le Lectier“
Im Rahmen der Sortenausstellung wurden – in Zusammenarbeit mit dem Versuchszentrum Laimburg - 40 Sorten von Äpfeln und Birnen bestimmt. Denn, wer unbekannte Früchte im Garten hat, konnte vor Ort Sorte und Herkunft bestimmen lassen und erhielt Beratung über deren Pflege. Die Pomologen staunten nicht schlecht als ein Besucher beispielsweise eine Birne namens „Le Lectier“ vorbeibrachte, welche in Südtirol noch nie gesichtet wurde. Es wurden insgesamt an die 80 alte Apfel- und Birnensorten ausgestellt, darunter der „rote Blutapfel“, der „Sommerköniger“, der „Weiße Rosmarin“, der „Weiße Wintercalvill“, der 1906 von Südtirol ins russische Zarenhaus exportiert wurde und viele andere mehr. Die Früchte stammen vorwiegend von privaten Anbauern.

Sorten erhalten
Der Verein Sorten Garten Südtirol, kurz SGS, setzt sich für den Erhalt alter Sorten ein und sorgt dafür, dass diese Sorten wieder erhältlich sind. Der Verein, der 160 Mitglieder zählt, hat sich zum Ziel gesetzt, Alt- und Lokalsorten und deren Kultur zu erhalten und zu fördern, sammelt Wissen rund um alte Obstsorten und sieht sich als Bindeglied zwischen Produzent und Konsument. Die Vereinsmitglieder können auf die Beratung von Spezialisten zurückgreifen und erhalten wertvolle Tipps rund um die Pflege des Pflanzenmaterials. In Südtirol sind 17 historische Lokalsorten an Äpfeln und Birnen registriert. Die Lokalsorten werden heute jedoch nicht mehr im größeren Stil angebaut und vermarktet.

Im Bild 1:
Besucher bei der Apfel-Käse-Verkostung

Im Bild 2:
Frowin Oberrauch, Organisator der Sortenausstellung