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Neues Wasserkraftwerk: Saubere Energie & Schutz vor Hochwasser

Heute wurde in Bruneck ein Projekt für ein neues Wasserkraftwerk vorgestellt. Das Besondere daran ist, dass es eine effiziente Stromproduktion mit ausgefeilten Schutzmaßnahmen gegen drohendes Hochwasser in Bruneck und St. Lorenzen vereint.

Die Konzession zur Nutzung des derzeitigen SEL-Edison Wasserkraftwerks in Olang verfällt 2014 und wird vom Umweltbeirat der Provinz Bozen neu vergeben. Nun hat sich eine Gruppe Wirtschaftstreibender aus dem Pustertal zusammengetan und möchte die Wasserkonzession des derzeitigen Wasserkraftwerks in Olang erhalten. Private Initiatoren haben sich zur „Kaiserwarte AG“ unter der Federführung von Bruno Heiss zusammengeschlossen und präsentieren nun ein umfassendes Projekt zur Gewinnung erneuerbarer Energie und zum Schutz der Umwelt. Das Projekt Kaiserwarte sieht vor, die heutige Kraftwerkzentrale bei Percha in das St. Lorenzner Gemeindegebiet zu verlegen und dahin einen neuen Stollen zu bauen. Dieser wird prinzipiell zur Ableitung des Triebwassers zur Energiegewinnung verwendet. Derselbe Stollen kann im Hochwasserfall aber auch zur Umleitung überschüssiger Wassermengen in den Kniepassstausee genutzt werden. Besonders hervorzuheben ist, dass das Projekt großes Augenmerk auf einen optimalen Wirkungsgrad durch maximales Gefälle legt und durch Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser die Umwelt schont. Hochwasserschutzpläne sind nämlich von jeder Stadt und Gemeinde per Gesetz innerhalb der nächsten drei Jahre zu erstellen. Somit erfüllt das Projekt zwei wichtige Auflagen: die Steigerung der Energieerzeugung und den besseren Schutz der Umwelt. Das Projekt entspricht nicht zuletzt den neuen EU-Richtlinien, welche die Förderung erneuerbarer Energien, die Verbesserung der Energieeffizienz unter Berücksichtigung niedriger C02-Emissionen und somit den Verkauf von Grünzertifikaten vorsehen. Die betroffenen Gemeinden Welsberg, Olang, Rasen-Antholz, Percha, Bruneck und St. Lorenzen, aber auch andere Strukturen sind eingeladen am Projekt mitzuwirken bzw. sich zu beteiligen. Interessierte finden Informationen im Internet unter www.kaiserwarte.com.

Hochwasserschutz zum Nulltarif
Das neue E-Werk Kaiserwarte würde folgende Kraftwerke künftig ersetzen: das Kraftwerk in Percha, jenes von Moessmer, jenes der Enel und das in Stegen. Das Projekt Kaiserwarte steigert die derzeitige Stromproduktion erheblich. In Percha werden heute ca. 120 Mio. kWh pro Jahr produziert. Ziel ist es, im neuen Kraftwerk eine Produktion von ca. 180 Mio. kWh zu erreichen. Diese Steigerung der Energieproduktion ist auch auf die größere Fallhöhe (ca. 255 m) zurückzuführen, die sich aus der Verlängerung des Stollens bis zum Kniepass ergibt. Der produzierte Strom wird direkt in die Hochspannungsleitungen in Kniepass eingespeist. Das Projekt trägt sich selbst durch die gesteigerte Stromproduktion und den Verkauf von Grünzertifikaten. Gleichzeitig finanziert die Kaiserwarte AG durch die Energiegewinnung den Hochwasserschutz für Bruneck und St. Lorenzen.

Patentierter Stollen mit Doppelfunktion
Um der zweifachen Herausforderung - Stromgewinnung aus Triebwasserableitung und
Hochwasserentlastung - gerecht zu werden, hat die Kaiserwarte AG in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Griessmair einen Stollen mit Doppelfunktion entwickelt. Konkret heißt das, dass ein und derselbe Stollen im Normalfall Wasser bis zum Kniepass leitet, um dort ein neues E-Werk zu speisen und im Hochwasserfall Wasser der Rienz in Percha aufnimmt, umleitet und im Kniepassstausee wieder auslässt. Der zweifach nutzbare Stollen misst ca. 8 Meter im Durchmesser und ist in zwei Funktionsebenen unterteilt. Die untere Ebene dient mit zwei Druckrohren ausschließlich der Ableitung des Triebwassers zur Stromproduktion. Die obere Ebene hingegen kommt allein dann zum Einsatz, wenn Hochwasser herrscht. Dann leitet sie überschüssiges Wasser in Percha am Brunecker Gemeindegebiet vorbei, unterquert die Gader und gibt das Hochwasser direkt im Kniepassstausee frei. Der kombinierte Hochwasserentlastungs- und Triebwasserstollen ist knapp 7,4 km lang. Diese effektive Lösung mit dem zweifach nutzbaren Stollen hat die Kaiserwarte AG patentrechtlich schützen lassen.

Bruneck braucht Hochwasserschutz
Das Landesraumordnungsgesetz Art. 22 (L.G. vom 2.7.2007, Nr. 3) sieht vor, dass jede Gemeinde in Südtirol innerhalb 2010 einen so genannten Gefahrenzonenplan erarbeiten muss. In diesem Plan weist die Gemeinde verschiedene Zonen aus, die im Falle eines Hochwassers mehr oder weniger Schaden nehmen könnten. Auf Grundlage dieses Gefahrenzonenplans wird ab 2010 der Bauleitplan der Gemeinde definiert. Die Einteilung des Gemeindegebiets in risikoarme und risikoreiche Zonen bestimmt somit in Zukunft maßgeblich die Ausweisung von Bau- und Gewerbegrund. Die Stadt Bruneck weist viele rote Gefahrenzonen aus. Außerdem zeigen Brunecks Unwetterchronik und die Prognosen über die 30-jährigen Hochwasser dringenden Handlungsbedarf. Die roten Zonen zeugen von sehr hoher Gefahr für Menschenleben, Gebäude, Infrastrukturen und Umwelt, sollte es zu einem Hochwasser kommen. Angesichts dieser Tatsachen hat die Kaiserwarte AG den Hochwasserschutz für Bruneck und St. Lorenzen in ihr Projekt aufgenommen.

Machbar & umweltverträglich
Die Kaiserwarte AG hat eine Studie in Auftrag gegeben, welche die Umweltverträglichkeit und Machbarkeit des Projekts bewertet. Diese Ergebnisse sind eindeutig positiv. Auch umweltpolitisch bringt das Projekt Vorteile: Die bestehenden Kraftwerke in Bruneck werden stillgelegt, künstliche Hindernisse also beseitigt und die natürliche Flussdynamik der Rienz in Bruneck wieder hergestellt. Der Stollen verläuft ausschließlich unterirdisch und die sichtbaren Eingriffe in die Natur beschränken sich auf die Hochwasserfassung bei Percha. Als weitere umweltschonende Maßnahme gilt das Aufheben des Schwallbetriebes. Durch die Verlegung des Kraftwerks und die größere Fallhöhe erübrigt sich für das Projekt Kaiserwarte die Notwendigkeit des umstrittenen Schwallbetriebes. Der Umweltplan der Kaiserwarte AG sieht eine Reihe weiterer ökologischer, sozioökologischer und landschaftlicher Ausgleichsmaßnahmen vor: Bau eines naturnahen Fischpasses am Antholzerbach und bei der Anlage am Wielenbach, Renaturierung der Landschaft westlich der Sportzone Percha, Rückbau der Anlage am Brunstbach und der Anlagen des Unternehmens Moessmer, der Idrohaco GmbH und des Enel in Bruneck, Aufwertung des Uferbereichs des Olanger Stausees durch einen Themenwanderweg mit Schautafeln, eine Kletterwand an der Staumauer und vieles andere mehr.

Im Bild 1:
v.l.n.r. Ing. Anton Griessmair (Ingenieurbüro Studio G), Dr. Walter Gostner (Hochwasserexperte), Bruno Heiss (Präsident der Kaiserwarte AG), Dr. Kurt Kusstatscher (Landschaftsökologe), Werner Tschurtschenthaler (Mitglied des Verwaltungsrates der Kaiserwarte AG), Günther Gang (Gesellschafter der Kaiserwarte AG), Ing. Adolf Dengg (Ingenieurbüro Studio G), Dr. Christian Harrasser (Mitglied des Verwaltungsrates der Kaiserwarte AG)

im Bild 2: der Kniepass-Stausee