Kürzlich trafen sich die Handwerker der Gemeinden Karneid, Deutschnofen und Welschnofen zu einer Aussprache mit Landesrat Florian Mussner in Welschnofen. Sinn und Zweck der Aussprache war es, mit dem Vertreter der Landesregierung die Probleme und Sorgen, welche die Wirtschaftskrise hervorruft, zu diskutieren.„Uns ist es wichtig, dass die Handwerker Gelegenheit haben der Landesregierung direkt zu sagen, wo der Schuh drückt. Damit haben wir ein Forum geschaffen in dem die Handwerker ihre Meinung äußern, Anregungen geben und Kritik anbringen konnten“, begründet Albin Kofler, Bürgermeister von Karneid und Initiator der Veranstaltung, das Treffen.
Neben LR Florian Mussner waren am Podium die Bürgermeister Albin Kofler von der Gemeinde Karneid, Bernhard Daum von Deutschnofen und Elmar Pattis von Welschnofen sowie die 3 Obleute der Handwerker Gerhard Resch für Karneid, Horst Pichler für Deutschnofen und Miriam Pardeller für Welschnofen vertreten. Auch zugegen war der Bezirksobmann des LVH Franz Pichler und der Präsident des LVH Walter Pichler. Robert Weißensteiner, der Chefredakteur der Südtiroler Wirtschaftszeitung und als Eggentaler Kenner der lokalen Situation, moderierte in gekonnter Weise durch den Abend. LR Mussner stand Rede und Antwort. Er betonte, dass in Südtirol die Lage – dank der hochqualitativen Arbeit der Handwerker – doch nicht so schlimm sei, wie in anderen Regionen. Die Landesregierung sei aber bemüht, Lösungen für die diversen Anliegen zu finden und Maßnahmen zu treffen, um die Krise zu lindern. Wenn auch Mussner ganz klar sagte, dass die Wirtschaftskrise wohl ein Umdenken und eine Anpassung an die Situation von allen abverlangen würde.
Die Sorgen und Nöte der Handwerker
Die Wirtschaftskrise ist nicht in allen Branchen in gleichem Maße spürbar, der Bausektor leidet aber besonders darunter. Eine rasche Entspannung ist nicht zu erwarten. Zwar hat die Südtiroler Landesregierung im Frühjahr ein Konjunkturpaket verabschiedet, das verschiedene Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft vorsieht, doch bringe dieses noch keine große Besserung der Lage. Insbesondere beim Abbau der Bürokratie ist man noch nicht entscheidend weitergekommen. Manchmal ist der Aufwand für die Abwicklung von Genehmigungen usw. größer, als für die Durchführung der Arbeiten. Vor allem die kleinen Unternehmen ersticken unter der bürokratischen Last. Hier wurde auch die aufwändige Eintragung in das SOA-Verzeichnis bemängelt, ein Verfahren das ein Kleinunternehmen min. an die 5.000 € kostet. Auch hier erwarte man sich von Seiten des Landes eine größere Hilfestellung.
Ein großes Problem stellt auch die geplante Ausschreibungsregelung dar: Alle öffentlichen Arbeiten ab 500.000 Euro sollen zukünftig mittels offenem Verfahren ausgeschrieben werden. Eine Teilnahme an solchen Wettbewerben ist für Kleinbetriebe oft zu aufwändig. Sollte diese Regelung greifen, ist dies ein weiterer harter Schlag für die Kleinbetriebe. Auch die oft zu knappe Zeit zwischen Ausschreibung und Fertigstellung wurde angesprochen. Es solle bei Ausschreibungen doch mehr Qualität und nicht nur der niedrigere Preis im Vordergrund stehen. Denn dann müssen oft Südtiroler Unternehmen einspringen, um Pfuschereien auszumerzen. Angesprochen wurden auch die strengen Regelungen in Bezug auf die Arbeitssicherheit, welche wohl nirgends so streng seien wie hier.
Im Bild die Teilnehmer am Podium
v.l.n.r. vorne Horst Pichler (Obmann der Handwerker von Deutschnofen), LR Florian Mussner, Miriam Pardeller (Obfrau der Handwerker von Welschnofen), Albin Kofler (Bürgermeister von Karneid), Bernhard Daum (Bürgermeister von Deutschnofen), Gerhard Resch (Obmann der Handwerker von Karneid)
hinten: Moderator Robert Weißensteiner, Elmar Pattis (Bürgermeister von Welschnofen) und Walter Pichler (Präsident des LVH)