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Bei Depression wichtig Hilfe holen

Die Depression ist die qualvollste Krankheit, die man sich denken kann. Seelisches Leid ist de facto schmerzhafter als das körperliche Leid,” mit diesen Worten begann kürzlich der Vortrag von Dr. Josef Schwitzer im Pfarrheim Deutschnofen. An die 100 sind der Einladung der Bezirksgemeinschaft Salten-Schlern gefolgt und haben sich Tipps und Ratschläge zum Thema „Depression“ geholt. Schwitzer gilt als einer der Experten in Südtirol in diesem Bereich zumal er 20 Jahre an der Uniklinik Innsbruck gearbeitet hat und 10 Jahre Leiter des Psychiatrischen Dienstes in Brixen war. „Es ist wichtig, dass auch Führungskräfte, Verwalter, Obleute - im Prinzip all Jene, welche irgendwelche Gruppen führen - über diese Krankheit, die Symptome und über den Umgang mit Betroffenen Bescheid wissen. Denn schon früh kann oft geholfen und Schlimmeres verhindert werden,“ sagt Albin Kofler, Präsident der Bezirksgemeinschaft Salten Schlern und Initiator des Projekts.

Depression ist keine Geisteskrankheit, sondern eine Gemütserkrankung und sie kann jeden treffen. Frauen doppelt so häufig wie Männer. So die Ausführungen des Experten. Der heutige Stress, die Überlastung durch Reizüberflutung, der Leistungsdruck usw. führen zu einer Zunahme an Betroffenen. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein: Freud- und Antriebslosigkeit, Gefühlslosigkeit, Schlafstörungen, Störung der Genussfähigkeit, oft Rücken- oder Kopfschmerzen oder andere körperliche Beschwerden. Die Symptome sind für den Betroffenen ungeheuer schmerzvoll, doch für den Außenstehenden schwer zu erkennen. Depression ist die totale innere Einsamkeit. Die Einsamkeit des Leidens ist ein Teil der Krankheit selbst. Depressionen können meistens gut behandelt werden und zwar mit Psychotherapie, Medikamenten und begleitenden Maßnahmen wie Bewegung, Physiotherapie und nicht zuletzt der Teilnahme an Selbsthilfegruppen (Bsp. Verein Lichtung). Hilfe bietet auch der Psychiatrische Dienst. „Ich habe über Jahre an schwerer Depression gelitten. Viele Tage habe ich mit dem Freitod gerungen und von Tag zu Tag entschieden: Heute lebe ich noch. Geholfen hat mir letztendlich, dass ich mir täglich eine Struktur gebe, mir Aufgaben für jeden Tag vornehme, aber mich nicht überlaste. Und es ist wichtig, sich Hilfe zu holen, denn das Alleinsein ist sehr schlimm und erdrückend. Freunde sind wichtig und auch die Selbsthilfegruppe sowie das Bewusstsein, dass ich selbst auch an mir arbeiten muss. Es gibt immer einen Ausweg, eine Lösung – man darf sich nur nicht aufgeben.“ erzählt eine Betroffene bei dem Vortrag in Deutschnofen.

Die Ratschläge von Schwitzer an Arbeitgeber sind: Betroffene Mitarbeiter brauchen Struktur, Wertschätzung und eine Mischung zwischen Verständnis und Förderung. Die Akzeptanz, das offene, einfühlsame Gespräch, taktvoll und empathisch die Mitmenschen darauf ansprechen, das ist der erste Schritt. Es ist wichtig, dass diese Menschen eine Balance finden zwischen Entlastung und Aktivierung. Mit dem Heilungsprozess einher geht oft eine Lebensumstellungen und es braucht Zeit. Wichtig ist es, auf sich selbst zu schauen und das zu tun, was einem gut tun. Vor allem im Herbst sind viele für eine depressive Stimmung anfällig. Viel Bewegung in der Natur hilft darüber hinweg.

Der nächste Vortrag im Rahmen des Projektes „Gesunde Gemeinde – Gesunde Psyche“ findet am 7. November um 19.30 Uhr im Bürgerhaus in Sarnthein statt. Dr. Roger Pycha und ein Betroffener sprechen über „Angst – was macht krank und was gesund?“ Der Eintritt ist frei. Es braucht keine Anmeldung und alle sind herzlich willkommen. Informationen zur Veranstaltungsreihe gibt es in einer eigenen Broschüre, welche auch unter www.gemeinde.karneid.bz.it zu finden ist.

Info

www.gemeinde.karneid.bz.it

im Bild 1: Der Referent Dr. Josef Schwitzer

Im Bild 2: Gespannt folgten die Zuhörer den Ausführungen von Dr. Josef Schwitzer und einer Betroffenen. Vorne Ursula Thaler, Vizebürgermeisterin von Deutschnofen bei der Begrüßung